„Einzige authentisch erhaltene mittelalterliche Großstadt Deutschlands“: Dieses Attribut machte die Regensburger Altstadt mit Stadtamhof im Juli 2006 zum UNESCO-Welterbe. Ein Jahr ist seitdem vergangen und Regensburg kann auf ereignis- und erfolgreiche zwölf Monate zurückblicken. Die internationale Bekanntheit Regensburgs durch das besondere Prädikat stark gestiegen. Seit Regensburg auf der Welterbe-Liste zu finden ist, zieht die Mischung aus historischem Kleinod und lebendiger, moderner Metropole noch mehr Besucher an als jemals zuvor.
Als am 13. Juli vergangenen Jahres das große Transparent mit der Aufschrift „Regensburg – UNESCO-Welterbe“ am Alten Rathaus befestigt wurde, ging ein Freudenschrei durch die Altstadt: Vorbeigehende Bürgerinnen und Bürger sowie Touristinnen und Touristen brachen spontan in Jubel aus, Sätze wie: „Hurra! Endlich! Das hat Regensburg mehr als verdient!“ waren zu hören. Kurze Zeit später war die Stadt voller Journalisten aus ganz Deutschland und haben über den neuen Status der frisch gebackenen Welterbe-Stadt informiert.
Der Freudentaumel tritt nicht mehr ganz so lautstark in Erscheinung, der Stolz ist aber immer noch offenkundig. „Die Identifizierung der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt war schon immer recht hoch“, so Klemens Unger, Kulturreferent der Stadt Regensburg. „Diese hat aber seit der Ernennung zum Welterbe noch eine beträchtliche Steigerung erfahren.“
Und auch das Medieninteresse an der UNESCO-Welterbestadt ist nach wie vor hoch, Journalisten und Filmteams aus der ganzen Welt interessieren sich für das mittelalterliche Juwel am nördlichsten Punkt der Donau.
Der neue Status hat viel zur Profilierung der Stadt sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene beigetragen. Wie prognostiziert, ist die internationale Bekanntheit Regensburgs durch das Prädikat „UNESCO-Welterbe“ stark gestiegen. Seit Regensburg auf der Liste des UNESCO-Welterbes zu finden ist, zieht die Mischung aus historischem Kleinod und lebendiger, moderner Metropole noch mehr Besucher an als jemals zuvor:
Die Regensburg Tourismus GmbH verzeichete 6,1 Prozent mehr Übernachtungen innerhalb der ersten drei Monate nach der Ernennung der Stadt. Der Anteil an ausländischen Gästen erhöhte sich um 3,9 Prozent. Besonders amerikanische Touristen scheinen Regensburg zu lieben, denn die Übernachtungen aus den USA stiegen signifikant um 9,9 Prozent. Nach Angaben der Landesstatistikstelle in München kletterte die Anzahl der Gästeankünfte im ersten Quartal 2007 in Regensburg um 5,5 Prozent auf 74 871 gegenüber 70 554 Ankünften im gleichen Zeitraum in 2006. Somit war von Vorsaison in diesem Jahr keine Rede – die Telefondrähte in der Regensburg Tourismus GmbH glühten so heiß, dass ein neues Callcenter eingerichtet werden musste.
Auf die veränderten Rahmenbedingungen hat die Stadt nun reagiert: Welterbeführer und Welterbe-Stadtführungen erleichtern den Besucherinnen und Besuchern die historische Spurensuche.
Durch die Mitgliedschaft in verschiedenen Vereinen und Institutionen, die sich mit dem Welterbe beschäftigen, befindet sich Regensburg in ständigem Austausch mit anderen Welterbestätten. „Dieser Informationsfluss ist sehr wichtig, denn durch die Erfahrungen anderer können wir viel lernen“, so Planungs- und Baureferentin Christine Schimpfermann. Die Federführung sei dem Planungs- und Baureferat übertragen worden, weil es nicht nur um Bewahren, sondern auch um Gestalten gehe.
Das sieht auch Ute Hick so, die Leiterin des Planungsamtes, die alle das Welterbe betreffende Belange solange koordiniert bis die eigens geschaffene Stelle eines Welterbemanagers besetzt ist. Der bisherige Umgang mit der Altstadt sowohl von Seiten der Denkmalpflege als auch beim neuen Bauen in alter Umgebung habe sich bewährt, meint sie. „Es ist nicht damit getan, Altes zu konservieren.“ Man müsse sich damit auseinandersetzen, das historische Erbe für nachfolgende Generationen lebenswert zu erhalten. Stillstand könne sich daher fatal auswirken. Eine dringend notwendige Entwicklung dürfe aber ausschließlich unter dem Aspekt des respektvollen Umganges mit der historischen Substanz erfolgen.“
Die Stellenbesetzung für einen Welterbekoordinator läuft derzeit auf vollen Touren. Aus einer Bewerberflut muss der richtige Kandidat bzw. die richtige Kandidatin ausgewählt werden, und das erfordert nicht nur Schnelligkeit, sondern vor allem auch Sorgfalt. Voraussichtlich im dritten Quartal 2007 soll er oder sie aber den Dienst bei der Stadt aufnehmen.
Natürlich hat die Ernennung zum Welterbe auch Spuren im Bereich Stadtplanung und in der Denkmalpflege hinterlassen. „Die Denkmalpflege hat schon seit vielen Jahren ein sehr hohes Niveau in Regensburg“, berichtet Unger. Der Welterbe-Titel schlage sich nun in einer noch sorgfältigeren und intensiveren Auseinandersetzung mit den denkmalpflegerischen Belangen nieder. In Planung ist ein Gremium für Regensburg, das als innovatives Novum eine direkte Schnittstelle zwischen der UNESCO und der Welterbestätte bilden soll. Das unabhängige Komiteee soll die bauliche Entwicklung in der Kern- und Pufferzone begleiten. Es soll von der Stadt Regensburg laufend über Planungs- und Bauvorhaben informiert werden und in Konfliktsituationen eine beratende Funktion einnehmen.
„Regensburg ist authentisch – vor, während und nach dem UNESCO-Verfahren“, erklärte der Oberbürgermeister der Stadt Regensburg, Hans Schaidinger, unmittelbar nach der Bekanntgabe, dass Regensburg „es geschafft“ hatte. Dieses Credo hat die Stadt bisher konsequent eingehalten. „Wir werden alles dafür tun, dass unsere Stadt nichts von ihrem lebendigen Charakter einbüßt“, so Schaidinger. „Der Titel darf nicht, wie bei vielen anderen Städten, dazu führen, dass das Welterbe-Areal zum Museum mutiert.“ Weiterhin modernes Leben auf geschichtsgetränktem Grund zuzulassen, sei der Anspruch gewesen, den die Stadt Regensburg stets an sich gestellt habe und selbstverständlich auch weiterhin stellen wird.
Der Titel „UNESCO-Welterbe“ hat Regensburg verändert – aber ohne der Stadt ihren Charakter zu rauben. Nun fehlt nur noch die offzielle Übergabe der Welterbe-Urkunde. Diese wird im November 2007 erfolgen. Bereits vorher, nämlich am 3. Juli 2007, rechtzeitig vor dem Jahrestag der Ernennung, legt das Planungs- und Baureferat in einer gemeinsamen Sitzung dem Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr-, Umwelt- und Wohnungsfragen,dem Kulturausschuss sowie dem Ausschuss für Wirtschaft und Fremdenverkehr des Stadtrates einen ausführlichen Sachstandsbericht vor.
(Quelle: Stadt Regensburg)